Topnews

Ehec-Erklärung

Informationen zur Herkunft der bei uns verarbeiteten...

Wir gegen Viren

Einen kleinen Film der zeigt, warum Händewaschen wichtig ist, finden Sie hier.

Kein gutes Haar an sich lassen

Haare gehören nun einmal zum Menschen dazu – und zwar nicht zu knapp: Durchschnittlich 100000 bis 150000 Haare zieren im Durchschnitt allein unseren Kopf[1]. Aber auch am Körper finden sich mit wenigen Ausnahmen (z. B. Schleimhäute, Hand- und Fußinnenflächen) Haare in unterschiedlicher Länge und Dicke, die meisten davon fast unsichtbar. Soweit so gut.

Kahle Tatsachen -„Modetrend“ Rasur

Seit Jahrzehnten geht es den Haaren vermehrt an den Kragen. Waren es vor etwa 20-30 Jahren noch die Achselhaare, die manchen unästhetisch erschienen, begann als nächstes die Teilrasur der Schamhaare, gefolgt von der Mode der ‚Schamhaarfrisuren‘. Inzwischen propagieren nicht wenige die Komplettrasur der Frau im Intimbereich. Doch auch am Mann wird vielfach ‚kein gutes Haar‘ mehr gelassen: Auch hier begann es – etwas zeitversetzt - mit der Rasur der Achselhaare, es folgte die Teilrasur der Schamhaare, die Rasur der Brustbehaarung – und schließlich z.T. schon die Komplettrasur des  Intimbereichs. Eine immer stärker werdende Entwicklung geht also nunmehr in die Richtung, auch die letzten sichtbaren Haare zu entfernen. Einzig verschonter Körperteil der Frauen – und meist auch der Männer ist der Kopf. Rasur ist im Trend. Und das nicht erst seit gestern. Inzwischen fragen schon Teenager, nicht mehr ob, sondern ab wann man sich den rasieren müsse!

 

Harmloser Modetrend oder gefährliches Terrain?

Aus medizinischer Sicht ist die Körperbehaarung des Menschen durchaus sinnvoll. Insbesondere Scham- und Achselhaare wachsen in Bereichen mit erhöhter Reibung. Hier schützen die Haare die Haut vor dem Wundwerden. Wachsen rasierte Haare nach, können diese unangenehm einwachsen, ansonsten entstehen Stoppeln, diese reizen die Haut aus Neue und drängen zur raschen Erneuerung der Rasur. Vielleicht könnte man die ersten Gesichtspunkte meist noch als Unannehmlichkeit bei Seite schieben, jedoch entstehen beim Rasieren in der Haut leicht kleinere Verletzungen, die man mit bloßem Auge nicht wahrnehmen muss. Für Bakterien, die wir alle auf der Haut tragen, eine ideale Chance, die Mikro-Wunde zu besiedeln. Im ungünstigen Fall wird der Körper mit der Entzündung nicht fertig und sieht seine letzte Chance vor der ‚Kapitulation‘ darin, eine Mauer um die Keime zu ziehen, und diese ‚einzumauern‘. Das Ergebnis dieses Abwehrprozesses nennt man Abszess, eine Eiteransammlung in einer vorher nicht vorhandenen Körperhöhle. Solch ein Abszess ist schmerzhaft und verschwindet nicht von allein. Einen Abszess muss man operieren, um den Eiter sicher zu entfernen. Danach muss die Wundhöhle von innen zuheilen, damit nicht in der Wunde verbliebene Keime wie ein Bumerang den Abszess wieder zurück bringen. Im Geschlechtsbereich der Frau können Abszesse bis zu Hühnerei groß  werden und sehr schmerzhaft sein. Und  leider gibt es darüber hinaus auch Hinweise, dass sexuell übertragbare Krankheiten durch Mikroverletzungen, wie sie bei Rasuren entstehen, leichter übertragen werden können. [2]. Eigentlich nicht verwunderlich, denn diese Verletzungen öffnen ja nicht nur Hautbakterien Tür und Tor.

 

Schönheitsoperationen im Intimbereich?

Was bitte schön haben die denn mit der Körperrasur zu tun? Nun, seit Beginn des  Modetrends ‚Komplettrasur im Intimbereich‘ sind immer mehr Frauen mit ihrem äußeren Geschlecht unzufrieden. Schamlippen werden verglichen. Vergrößerte kleine Schamlippen (die kleinen Schamlippen ragen über  die großen Schamlippen hinaus) als unästhetisch und störend bewertet. Das Messer muss her! Fakt ist, dass all das zuvor fast niemanden aufgefallen war. Nur sehr wenige Frauen ließen sich in diesem Bereich operieren, und wenn dann in aller Regel nur, wenn Normvarianten zu dauerhaften Schmerzen im Intimbereich führten. Was bei den allerwenigsten Frauen der Fall war. Nun aber klagen stattdessen manche dieser Frauen nach kosmetischen Operationen im Intimbereich über Narbenschmerzen und Schmerzen beim Sex. Endstation des kollektiven Rasur-Wahns? Man weiß es nicht, was wird wohl als nächstes kommen?

Das Kuriose an dem Geschehen kommentierte die Psychologin Ada Borkenhagen in der Stuttgarter Zeitung  2009 so: „Frauen rechtfertigen Intim-OPs damit, dass sie Probleme beim Sport haben. Kein Mann würde auf die Idee kommen, seinen Penis verkleinern zu lassen, weil er beim Radeln drückt“. [3]

 

Modetrends gab es zu allen Zeiten

Die Gesellschaftliche Meinungsmache lässt – wie könnte sie auch – das Thema Rasur und Körperbehaarung nicht aus. Fakt ist: Modetrends gab es zu allen Zeiten. War zurzeit von Ruben das Idealbild der Frau mollig und zeigte stolz seine Rundungen, tendierten ‚wir‘ über lange Zeit mehr zum Androgynen. Magersüchtige Modells zierten die großen Magazine. Seit einigen Jahren lenken einige Zeitschriften ein, manche Modemacher knüpfen die Teilnahme an Modeschauen an einen ausreichend hohen Body Maß Index und schließen zu magere Models damit aus. Doch all das wird wohl kaum ausreichen, die vermeintlich „vorgegebenen Maße“ wieder aus den Köpfen zu bekommen. Je mehr Bilder von rasierten Menschen in der Werbung auftauchen, desto mehr prägt sich „das Idealbild“  in den Köpfen ein. Bravo und Co tun ihr übriges – und wer möchte sich den schon „blamieren“ oder als „Hinterwäldlerisch“ dastehen?

So wie sich einst Frauen in Korsett zwängten setzen junge Mädchen von heute das (Rasier-) Messer an. Und manche Männer sind inzwischen so weit, dass sie sich um der vermeintlichen Mode zu entsprechen, versuchen sämtliche sichtbare Körperbehaarung entfernen zu lassen, eine kostspielige und unangenehme Prozedur…

Wikipedia zitiert den sich mit dem Thema befassenden Sozialwissenschaftler Elmar Brähler mit folgender Erklärung für die heutzutage üblichere Haarlosigkeit im weiblichen Schambereich:

Speziell für den Bereich der Intimrasuren bei Frauen lässt sich sagen, dass es die ‚neue‘ Sichtbarkeit der äußeren weiblichen Genitalien ist, die dazu führt, dass sich auch hier Schönheitsnormen herausbilden: Erstmals entwickelt sich eine allgemeingültige – für weite Schichten der Bevölkerung – verbindliche Intimästhetik. Eine bis dato primär zur Privatsphäre zählende Körperregion – die Schamregion – unterliegt fortan einem Gestaltungsimperativ.

<cite></cite>Elmar Brähler[4]

 

 

Herdentrieb zur modernen Schur / Rasur?

Die entscheidenden Fragen lauten: Ist die Rasur ein Muss, weil es „alle“ machen? Oder machen es „alle“ weil man ihnen sagt, dass es „alle“ machen? Auch das stetig steigende Angebot der Rasur-Utensilien in Drogerien gibt einen Hinweis, welche Markt steuernden Interessen hinter dem Anliegen stehen, möglichst allen deutlich zu machen: die Haare müssen weg – mit allen Mitteln - die die Industrie uns bietet.

Bei Tattoos, Piercings und Co hat man es längst herausgefunden: je bekannter ein Modetrend ist, umso mehr gesellschaftliche Akzeptanz erfährt er. Im Klartext: Ideal-Modelle wie bekannte Stars, Protagonisten in Werbung und Medien, last but not least Darsteller von pornographischen Aufnahmen prägen unser Denken und Handeln!

Was  aber bedeutet dieser Trend für all jene, die nicht mit dem großen Strom schwimmen? Gesellschaftliche Meinungsmache führt leider nicht selten zu mehr oder weniger intensiven Formen der Diskreditierung und des Gruppenzwangs. Wenn 12-jährige sich über „ekelhafte Achselhaare“ aufregen und Teenager meinen, die Haare müssten verschwinden, „weil wir ja nicht mehr im Dschungel leben…“, dann muss klar sein: Hier geht es schon lange nicht mehr um Hygiene allein, hier wird buchstäblich „kein gutes Haar“ mehr am anderen gelassen, weil er nicht ins uniforme Bild passt, das mancher Zeitgenosse sich vom Leben an sich und von Menschen im Speziellen gemacht hat. Doch Vorsicht: Nach Schweiß kann man mit oder ohne Achselhaare stinken. Und allen, ob sie nun die Haare an Ort und Stelle belassen oder abrasieren, sollte klar sein, dass man ein Deo NACH dem Waschen benutzt und nicht anstelle des Waschens! Die Kombination aus Schweiß und Deo ergibt ansonsten eine wirklich üble Mischung, bei der einem – wenn man sie denn noch hat – die Haare zu Berge stehen…!

 

Haarige Perspektiven

Wie sollen wir also jetzt mit dem Thema Körperrasur umgehen? Ich plädiere für ein umsichtiges und individuelles  Vorgehen: Wer individuell die Rasur mag, warum nicht, rasiere sich - wenn er oder sie sich der Risiken bewusst ist. Neigt man jedoch bereits zu Abszessen, so ist Vorsicht geboten. Und: Es muss ja auch nicht immer die Totalrasur sein. Man kann auch einzelne störende Haare entfernen oder kürzen. Wer jedoch nichts von der Rasur hält, entspanne sich und setzte sich nicht unter Druck. Denn gerade auf diesem Gebiet ist Fairplay angesagt:

Grundsätzlich entscheidet jeder in Sachen Rasur autonom. Diese Freiheit sollte er oder sie unabhängig von gesellschaftlichen Strömungen haben, ohne diskreditiert zu werden.

 

 



[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Kopfhaar, 11.10.2010

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Humane_Papillomviren, 13.12.2010 u.a.

[3] http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2164491_0_6134_-intimchirurgie-im-trend-nackte-tatsachen-unter-der-guertellinie.html, Zugriff 06.12.2010

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Schamhaarentfernung, 13.12.2010