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Haben wir verlernt, zu essen, was gut für uns ist?

Gutes Essen, gesunde Ernährung, ist das nicht das Gleiche? Fragt man Erwachsene nach Ihrem Wissen über gesunde Ernährung, stellt man fest, dass die meisten Menschen sich ganz gut auskennen und Bescheid wissen, was gut für uns ist und was nicht. Fragt man dagegen, was für sie zu gutem Essen dazugehört, bekommt man oft ganz andere, mehr emotional gefärbte Antworten, etwa : gemeinsam mit Freunden oder der Familie essen, große Auswahl am Büffet, guter Wein dazu, schön gedeckter Tisch, nettes Ambiente und so weiter. Dabei hat das gute Essen für viele Menschen einen hohen Stellenwert. In einer Befragung zur  „Genusshierarchie“ rangierte „zu Hause toll essen“ hinter Urlaub, Liebe und Familie an 4. Stelle, weit vor den Bereichen Hobby, Fernsehen, Sporttreiben oder Kino (1).  

Offenbar gibt es bei Erwachsenen große Unterschiede zwischen dem Bedarf unseres Organismus (gesunde Ernährung) und unseren Bedürfnissen als soziale Wesen (gutes Essen).  

Und wie sieht es mit dem Essverhalten bei den Kindern und Jugendlichen aus? Die im Jahr 2006 veröffentlichte KiGGS-Untersuchung (Kinder – und Jugendgesundheitssurvey des Robert Koch-Instituts im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums) förderte für den Bereich Ernährung und Essen einigermaßen erschreckende Ergebnisse zutage (2). Die Fakten sind: Zum einen zeigte sich eine Häufung von Essstörungen, zum anderen eine deutliche Zunahme von Übergewicht bei den Heranwachsenden. Die Folgen sind gravierend sowohl für den einzelnen Betroffenen als auch für unser Gesundheitssystem. Ein Beispiel: Der früher als „Alterszucker“ bezeichnete Diabetes Typ 2 mit den gefürchteten Folgeschäden tritt heute immer häufiger schon im Jugendalter auf!  


 

Problem Essstörungen

Laut KIGGS ist mehr als jeder fünfte Jugendliche (21,9%) im Alter von 11–17 Jahren in Deutschland heute gefährdet, eine Essstörung zu entwickeln (was anhand eines Fragebogens (3) ermittelt wurde). Dabei sind Mädchen mit 28,9 % fast doppelt so häufig betroffen wie Jungen (15,2%). In der Altersgruppe der 14 – 17Jährigen zeigt sogar jedes 3. Mädchen Symptome von Essstörungen!  

Essstörungen werden sowohl zu den psychischen als auch zu den Verhaltensstörungen gezählt. Dabei unterscheidet man konkret:  

  • Anorexia nervosa (Magersucht)
  • Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)
  • Binge-Eating-Störung (Ess-Sucht mit Ess-Anfällen ohne Erbrechen)  

Die Krankheitsbilder gehen oft fließend ineinander über. Bulimie und Binge-Eating-Störung sind dabei häufiger als die bekanntere Magersucht.  

Magersucht betrifft ca. 1 -2 %, Bulimie etwa 4  % der heranwachsenden Mädchen. Die Magersucht ist eine nicht zu unterschätzende und durchaus bedrohliche Krankheit: 10 % der Magersüchtigen sterben im Verlauf an den Folgen ihrer Erkrankung! Während die Magersucht früher oder später augenfällig wird und in der Regel  - mit Recht - zu großer Besorgnis bei den Eltern und im Umfeld der Betroffenen führt, gilt die Bulimie auch als „heimliche Krankheit“, weil die Betroffenen meist normalgewichtig sind und nach außen hin unauffällig erscheinen.  Kennzeichen der Binge-Eating-Störung sind (wie bei der Bulimie) wiederkehrende Essanfälle, wobei in kurzer Zeit große Mengen Essen quasi herunter geschlungen werden. Die Betroffenen haben das Gefühl, während dieser Anfälle die Kontrolle über das Essen verloren zu haben. Im Unterschied zur Bulimie werden die Essattacken jedoch nicht durch andere Maßnahmen wie  extremer Sport, Hungern oder Erbrechen „ungeschehen“ gemacht. Die Betroffenen sind deshalb häufig übergewichtig. Internationale Schätzungen gehen von 1 bis 3 Prozent Betroffener aus. Die Binge-Eating-Störung ist erst seit 1994 als eigenständige Essstörung beschrieben und unter den psychogenen Essstörungen diejenige, die am wenigstens erforscht ist (3).  

Viele Faktoren spielen bei der Entstehung von Essstörungen eine Rolle: Die beginnende Pubertät, die oft mit einem geringen Selbstwertgefühl und einer Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper einhergeht, andererseits der Wunsch, Kontrolle über den eigenen Körper zu haben. Die familiäre Situation ist bedeutsam, Perfektionismus und Leistungsdruck von außen oder innen. Nicht zu unterschätzen ist sicherlich auch der Einfluß der Medien, der Mode und der gesellschaftlichen Schlankheitsnormen.  

Ein gemeinsames Hauptmerkmal bei den Essstörungen ist die sogenannte Körperschemastörung mit Angst vor dem Dicksein. Dazu kommen oft eine Neigung zu Depressionen und ein gestörtes Gefühl für Hunger und Sattsein.  

Die körperlichen Folgen reichen von Haarausfall, extremer Müdigkeit und Magen-Darmträgheit mit Verstopfung über Verschiebungen im Wasser- und Salzhaushalt mit Störungen der Nierenfunktion bis hin zu bedrohlichen Herzrhythmusstörungen, Blutarmut und Veränderungen im Hormonhaushalt. Ein Zeichen ist oft das Ausbleiben der Periode. Bei der Bulimie kommt es häufig zu Zahnschmelzschäden durch die Säureeinwirkung beim Erbrechen.  

Die seelischen Folgen sind oft schwerwiegend: Depressionen, Angst – und Zwangssymptome, fast immer kommen familiäre Konflikte hinzu. Das Gefühlsleben ist geprägt von Schuldgefühlen und Scham, die Jugendlichen sind emotional besonders verletzlich. Oft folgt eine soziale Isolierung.  

Betroffene entwickeln häufiger weitere Abhängigkeiten wie Alkohol, Rauchen, Tablettensucht parallel zu den Essstörungen oder als Suchtmittelverlagerung, wenn man die ursprüngliche Essstörung überwunden zu haben glaubt.


Problem Übergewicht

Als Maß für das Übergewicht wird heute in erster Linie der BMI (Body Mass Index) verwendet. Er wird gebildet durch das Körpergewicht in kg geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in m. Normalgewicht bezeichnet einen BMI zwischen 20 und 25. Eine 1,75 m große (erwachsene) Person beispielsweise dürfte also zwischen 61 und 76 kg wiegen, um als normalgewichtig zu gelten.  

Bei Erwachsenen ist Übergewicht durch einen BMI über 25 definiert, Adipositas (Fettsucht) beginnt bei einem BMI über 30.  Die Richtwerte sind angelehnt an das erhöhte Risiko für gesundheitliche Folgeschäden, sollten aber nie als statische Größen gesehen werden, sondern müssen immer auch individuell und dynamisch beurteilt werden.  

Da sich gezeigt hat, dass vor allem das sogenannte viszerale Fett (Bauchfett) mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko einhergeht,  wird in letzter Zeit auch zunehmend ein anderes, einfacheres Maß verwendet: Der Taillenumfang. Nach Studien muss man  in Europa bei Frauen ab einem Taillenumfang von 88 cm, bei Männern ab 102 cm von einem erhöhen Herz-Kreislauf-Risiko ausgehen. Daher ist auch der sogenannte Apfeltyp (dicker Bauch, schmale Hüften) gefährdeter als der Birnentyp (schlanke Taille, breite Hüften).  

Für Kinder und Jugendliche gelten alters- und entwicklungsabhängig etwas andere Zahlen und Normalwerte. Es ist noch nicht ausreichend bekannt, in welchem Alter welcher BMI zu gesundheitlichen Folgeschäden führt. Unbedingt ist zu beachten, dass es Wachstumsphasen gibt. Ein Kind kann also durchaus mal etwas „moppelig“ sein, mit dem nächsten Größenschub aber vielleicht wieder rank und schlank daherkommen.  

In der KIGGS-Studie wurde Übergewicht daher statistisch definiert anhand der Gewichtsverteilungskurven, der sogenannten Perzentilenkurven (4). Das Ergebnis: Die Häufigkeit von Übergewicht ist auf Basis früherer Referenzdaten um die Hälfte gestiegen. Die Adipositasrate, also der Aneil der Fettleibigen, hat sich verdoppelt, bei Jugendlichen ab 14 Jahren nahezu verdreifacht.  

Anders ausgedrückt:  

Jedes 6.-7. Kind ist übergewichtig, jedes 16. Kind im Grundschulalter und jeder 12. Jugendliche ab 14 Jahren adipös.  

Insgesamt rund 16 Millionen Adipöse in Deutschland, fast 2 Millionen übergewichtige Kinder und Jugendliche, davon rund 800.000 fettleibige Kids – die Generation XXL im Anmarsch? So manches deutet darauf hin, und das hat gesundheitspolitisch eine enorme Brisanz. Denn mögliche Folgen von starkem Übergewicht sind:

  • Das sogenante metabolische Syndrom, bestehend aus
    • Fettstoffwechselstörungen
    • Bluthochdruck
    • Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 2, früher „Alterszucker“ genannt)
    • Herz- und Kreislauferkrankungen bis hin zum Herzinfarkt und Schlaganfall  
    • Gelenkleiden
  • Wirbelsäulenschäden
  • hormonelle Störungen
  • schwerwiegende psychische Folgen    

Was tun?

Eigentlich ist es ja so einfach:  

  • Mehr bewegen!
  • Weniger Fernseh- und Computerkonsum!
  • Schlankheitsideale hinterfragen!
  • Richtig essen!

Aber so einfach ist es eben nicht.  Unser Essverhalten ist vielschichtig und wird nicht nur kognitiv, also wissensbasiert, gesteuert. Vielmehr spielen genetische Faktoren, soziokulturelle Essgewohnheiten (Sonntagsbraten, Knabbern vor dem Fernseher)  emotionale Aspekte (Essen aus Frust oder Stress) und Lernprozesse (Schokolade als Belohnung) eine große Rolle.  

Wichtig: Einseitige Crashdiäten nimmt der Körper meist übel! Während der Diätphase schaltet der Körper auf „Sparflamme“. Sobald die Diät vorbei ist und wieder ausreichend Nahrung  zur Verfügung steht, erfolgt die Order, schon mal Reserven für spätere schlechte Zeiten anzulegen. So kommt es nach der Diät zum gefürchteten Jojo-Effekt: Das Gewicht steigt auf höhere Werte als vor der Diät, man beginnt die nächste Diät, nimmt schwerer ab, dafür leichter wieder zu und so weiter…  

Besser: Die Ernährung in kleinen Schritten umstellen und nach und nach gute und praktikable Eßgewohnheiten in den Alltag einbauen.

Dazu ein paar allgemeine Tipps:  

  • Fast food einschränken
  • Bei Fertiggerichten auf Inhaltstoffe achten - günstig: viel Gemüse, geringer Fettanteil
  • Fleischverzehr einschränken – zu hohe Energiedichte, oft hoher Fettanteil
  • Auf versteckte Fette achten – mit Fett allgemein sparsam umgehen
  • Süßigkeiten achtsam einsetzen – nicht als Mahlzeitenersatz, nicht als Belohnung, nicht als Tröster!
  • Mehr Vollkornprodukte einbeziehen
  • Obst und Gemüserohkost als gesunder Snack für zwischendurch
  • Ausreichend trinken: Wasser, Fruchtschorle, Tee
  • Softdrinks nicht zum Durstlöschen
  • 5 am Tag: 5 Portionen Obst und Gemüse jeden Tag als Ziel!
  • Mit Genuss, bewusst, und öfter gemeinsam essen
  • In Ruhe essen und auf das Sättigungsgefühl achten – das braucht mindestens 10 -20 Minuten Zeit
  • Eine Form der Bewegung suchen, die Spaß macht, am besten in der Gruppe
  • Alltagsaktivität steigern (Treppe statt Lift)

Bei Essstörungen ist es wichtig, möglichst frühzeitig Hilfe zu suchen und anzunehmen. Erste Anlaufadresse kann eine örtliche Beratungsstelle (5) sein, wie sie zum Beispiel auch von kirchlicher Seite angeboten werden. Aber auch ein fachkundiger Kinder- oder Hausarzt, der die Familiensituation oft gut kennt, kann in der Regel weiterhelfen und einen Kontakt zu Hilfsangeboten vermitteln



(1) Thomas Ellrott, Volker Pudel: Vorlesung Adipositastherapie, Langeoog, 1999  

(2) www.rki.de, Suchwort: kiggs-Symposium  

(3) Hier der verwendete sogenannte SCOFF-Fragebogen  

  • Übergibst du dich, wenn du dich unangenehm voll fühlst?

  • Machst du dir Sorgen, weil du manchmal nicht mit dem Essen aufhören kannst?

  • Hast du in der letzten Zeit mehr als 6 kg in 3 Monaten abgenommen?

  • Findest du dich zu dick, während andere dich zu dünn finden?

  • Würdest du sagen, dass Essen dein Leben sehr beeinflusst?  

Werden mindestens 2 Fragen positiv beantwortet, liegt ein Verdachtsfall vor.  

(3) BZGA Homepage Essstörungen: www.bzga-essstoerungen.de  

(4) KIGGS: Statistische Definition von Adipositas und Übergewicht anhand der Perzentile: Referenzwert für Übergewicht ist das 90%-Perzentil  in der Referenzgruppe, d.h. die 10% „dicksten“ Kinder sind übergewichtig. Referenzwert für Adipositas ist das 97%-Perzentil in der Referenzgruppe, d.h. die 3% „dicksten“ Kinder sind adipös (fettleibig) (Untergruppe der Ü bergewichtigen)  

(5) Adressen von zertifizierten Beratungsstellen 
www.bzga-essstoerungen.de